Schülerinnen am „Girls`s Day“ im E.Dis- Regionalzentrum
Pressemitteilung 2003
Teltow. Gern hätte ihre Mutter sie als Sekretärin gesehen, erzählte
Anja Fröhlich schmunzelnd, aber schon als 14-jährige hatte sie andere
Vorstellungen. „Was Handwerkliches wollte ich machen, oder was mit
Physik oder Mathe.“ Denn in Naturwissenschaften sei sie gut gewesen,
auch ohne viel büffeln zu müssen, bekannte die 27 jährige
Energieelektronikerin am Girl`s Day, zu dem das Energieunternehmen
E.Dis gestern ins Regionalzentrum eingeladen hatte. Der Schnuppertag,
an dem 18 Schülerinnen einer 8. Klasse der Kleinmachnower
Maxim-Gorki-Gesamtschule teilnahmen, soll Mädchen für technische Berufe
sensibilisieren. „Um sich ihrer vielseitigen Fähigkeiten bewusst zu
werden, weiß Sonja Roque von der Mädchenzukunftswerkstatt in Teltow aus
ihrer täglichen Praxis.
Sie hatte auch in diesem Jahr wieder Tages-Workshops in Unternehmen der
Region organisiert. Die meisten Schülerinnen, die an diesem Tag ins
Regionalzentrum kamen, hatten noch unklare Vorstellungen von der
Zukunft. Die Gastronomie und Hotelbranche rangiert bei ihren Wünschen
ganz vorn, ebenso wie Kauffrau. Einzig Svenja, mit ihrem Wunsch,
„künftig mal unter einem Auto zu liegen“, weil sie mit ihrem Vater am
liebsten Fahrzeuge repariert, ist da eine Ausnahme. Manche aber vor
allem einen Beruf, wo sie schnell und viel Geld verdienen, um sich
Wünsche erfüllen zu können.
Mathe und Physik zählte jedenfalls nur eine von ihnen zu ihren
Lieblingsfächern, wie die Mädchen kichernd zugaben. Erstaunt hörten sie
von Anja Fröhlich, dass ihr während der Lehrausbildung Verdrahten und
Schaltungen bauen viel Spaß gemacht hätte, ebenso wie am Schraubstock
Feilen und Muffen bauen. „Mit den Jungs habe wir uns super verstanden“,
erinnerte sich die junge, zierliche Frau an diese Zeit, in der zwei
Mädchen und 30 Jungen gemeinsam ausgebildet wurden. “Wenn die merken,
du kannst was, akzeptieren sie dich“,hatte sie schon damals erfahren
und verriet, dass die Jungen auch schon mal gerne von den Mädchen
abschreiben.
Heute bringt jeder Tag etwas anderes. Mal sitzt sie im Büro, dann
müssen Kabelverteiler gewechselt, Anlagen abgenommen oder bei
Havariefällen Störungen beseitigt werden. Auf jeden Fall mache ihr
diese Arbeit unter Spannung immer noch Spaß, weil sie mit vielen Leuten
zu tun habe, denn E.dis sei vor allem ein
Dienstleistungsunternehmen.
Rund 60.000 Kunden betreut der Energiezulieferer, zu denen Firmen und
private Haushalte zählen. Anja Fröhlich schließt nicht aus, eines Tages
vielleicht einen Meisterabschluss oder ein Studium zu
absolvieren.
Auch Regionalleiterin Katrin Butz hat sich im Unternehmen qualifiziert.
Die gelernte Kauffrau studierte anschließend Kraftwerktechnik. „Das war
schon zu DDR Zeiten eine typische Männerdomäne“, schilderte die 41
jährige wie sie zehn Jahre später Abteilungsleiterin wurde und nun seit
April das Regionalzentrum leitet. “Heute ist es längst nicht mehr
üblich, ein Leben lang immer denselben Job zu machen“, ließ sie
durchblicken, dass vor allem der Wille entscheidend sei, Chancen auch
zu nutzen. Allerdings verschwieg sie nicht, dass die Zahl der
jährlichen Bewerbungen bei E.dis rund dreimal so hoch ist wie die
vorhandenen Ausbildungsplätze. Ob Svenja oder eines der Mädchen sich
vielleicht einmal vorstellen könnte auf einen Verteilermast zu
klettern, blieb gestern noch ungewiss, aber Interesse an einem
Praktikumplatz bekundeten einige Mädchen bereits.
Kirsten Graulich
